Chor des Gymnasiums Parsberg

 
Sir Arthur Seymour Sullivan (1842 – 1900)

Sullivans Vermächtnis

Als Sullivan am 22. November 1900, zwei Monate vor Königin Victoria starb, wurden ihm alle Ehren des In- und Auslands zuteil. Doch schon bald nach der Jahrhundertwende zerfledderte die Kritik seinen einstigen Ruhm. Dies verärgerte unter anderem Edward Elgar, einen berühmten englischen Komponisten, der sich stets der Bedeutung Sullivans für das englische Musikleben und der Verfeinerung des Genres der komischen Oper bewusst war.
Schon in den 90er Jahren hatten Sullivan neue aufstrebende Künstler wie Barnby, Elgar selbst oder German allmählich den Rang streitig gemacht, überdies galt sein Stil, im Sitzen zu dirigieren, in der Zeit, als nach der Epoche der Virtuosen und Gesangsidole nun die der Pultstars anbrach, als altmodisch. Mehr als Sullivans stets interessante Programmzusammenstellungen war nun ein Orchesterleiter mit starker persönlicher Ausstrahlung gefragt. „Die Orchester sind jetzt eine straffere Führung gewöhnt als sie sein kraftloser Schlag geben kann, und der Dirigent, der mit seinen Augen so sehr an der Partitur klebt, ist einfach im Hintertreffen.“ fasste George Grove, der Rezensent von The World die allgemeine Meinung zusammen. 
Trotz dieser abwertenden Meinung erzielte Sullivan noch beachtliche Publikumserfolge, wie etwa mit Auszügen aus Wagners Meistersingern in englischer Sprache. Der Daily Telegraph bescheinigte seinem Wagner- Dirigat beim Festival in Leeds 1898, dass „die Musik des Bayreuther Meisters mit wahrem Verständnis und einem absoluten Gespür für ihre vielfältigen Schönheiten erklang“.
Unverziehen blieb indes, dass Sullivan immer wieder ins Lager der leichten Muse desertierte und sogar in der Erstausgabe von Groves Dictionary of Music and Musicians wurde genörgelt, dass Sullivan doch zu Wertvollerem befähigt sei. Die Unterscheidung zwischen ernster Musik , die Anerkennung verdient, und Unterhaltungsmusik hatte sich im 19. Jahrhundert herausgebildet. Unterhaltende oder gar kommerziell erfolgreiche Musik galt von vornherein als niederrangig. 
Obwohl das britische Musikleben durch Sullivan wertvolle Impulse empfing, sowohl was das Wiederanknüpfen an die Traditionen betrifft als auch die Öffnung zu kontinentalen Entwicklungen, wurde ihm eine bleibende Anerkennung versagt. Auch wenn sich die Wiederentdeckung der nationalen Identität im Bereich der Musik durchaus vergleichen lässt mit den Anregungen, die Glinka in Russland bzw. Weber in Deutschland gaben, blieb Sullivan nur die Ächtung der „Kenner“ statt die Achtung vor seinen Leistungen. 
Dem Nachruhm Sullivans stand die Scheuklappenpolitik seiner Nachlassverwalter, die seine Leistungen diskreditierten, entgegen. Auch wenn es Sullivan nicht gelang, 1891 mit Ivanhoe eine Nationaloper von Rang zu komponieren, so markierte sein auftreten einen Wendepunkt in der britischen Musik, auf den Künstler nachfolgender Generationen im Bereich des Konzerts und des Musiktheaters weiter aufbauen konnten. Sein erster Biograph, Arthur Lawrence, resümierte 1899: „Die musikalische Renaissance Großbrittaniens ist ein Teil der Geschichte der letzen dreißig Jahre. Es muss der Nachwelt überlassen bleiben, sie genau einzuordnen. Wie genau diese Renaissance dem Genie Sullivans zuzuschreiben war, wird sich bestimmen lassen, wenn es dem Historiker möglich ist, unvoreingenommen das Werk und den Einfluss auf die Menschen seiner Generationen zu untersuchen, zu einer Zeit also, wenn unsere gegenwärtigen kleinen Eifersüchteleien und Meinungsverschiedenheiten der Vergessenheit anheimgefallen sein werden.“

(Quelle: Saremba, M.: Elgar, Britten & Co.
Eine Geschichte der britischen Musik in zwölf Portraits
Zürich/St. Gallen 1994)

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