Chor des Gymnasiums Parsberg

 
Die Entstehung des Mikado
(Die Idee)

Nach „Princess Ida“ ging das Gerücht um, dass das nächste Projekt von Gilbert und Sullivan eine etwas andere Oper sein würde: weniger ausgefallen, dafür ernsthafter, aber zugleich ebenso unterhaltsam wie die vorherigen. Es sollte diesmal eine echte englische komische Oper werden, kein Klamauk mehr.
Mit dem „Mikado“ schlugen beide – sowohl Gilbert als auch Sullivan – eine neue Richtung ein. Es war keine weitere witzige Satire auf die Eigenheiten und Schwächen der Mitbürger des Autors und auch die Musik war nicht mehr so traditionell.
Gilbert, der beschlossen hatte, sein Land für einige Zeit zu verlassen, suchte woanders nach einem geeigneten Thema passend zu seinem besonderen Humor. Letztendlich inspirierte ihn ein unbedeutender Zwischenfall: eines Tages fiel ein japanisches Schwert, das jahrelang in seinem Arbeitszimmer gehangen hatte, von der Wand. Dieser Vorfall lenkte seine Aufmerksamkeit auf Japan.
Zur gleichen Zeit war eine Gruppe von Japanern nach England gekommen und gründete eine kleine Siedlung in Knightsbridge, um die Freundschaft zwischen England und Japan zu festigen. Die Japaner wollten die Lebensart und Bräuche der Engländer, kurz: die westliche Zivilisation, kennen lernen. Es kam jedoch anders: die Londoner Bevölkerung war von der fremden Kultur fasziniert und fing schon bald an sie zu imitieren, was die Japaner überraschte und natürlich sehr freute.
Knightsbridge war nur eine gute Meile von Gilberts Heimat in South Kensington entfernt. Er musste also nicht extra nach Yokohama oder Tokio reisen, um Material für sein Werk zu sammeln. Dennoch wurde er bei seinem ungewöhnlichen Vorhaben, ein japanisches Stück für die englische Bühne zu kreieren, mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. Zunächst einmal mussten sich die Schauspieler eine andere Körpersprache angewöhnen. Sie mussten all das, was sie in jahrelanger Arbeit gelernt hatten und  worauf sie stolz waren, beiseite schieben und in die Rolle von Japanern schlüpfen, die aus westlicher Sicht nicht gerade das Ideal an perfekter Anmut und Grazie darstellten.
Aber Gilbert fand schnell eine Lösung für dieses Problem: er hatte ja die „Experten“ sozusagen direkt vor seiner Haustür. Sie sollten den Damen und Herren des Savoy-Theaters lernen, richtig zu gehen und tanzen, sich hinzusetzen und jede ihrer Gefühlsregungen durch die Bewegung des Fächers auszudrücken.
Dann, zuversichtlich, alle Hindernisse überwinden zu können, widmete sich Gilbert der Geschichte Japans, fand dabei einiges, das sich humoristisch verarbeiten ließ und dachte sich schon bald Handlung und Geschichte aus. Man darf jedoch nicht glauben, dass Gilbert Menschen darstellte, die wirklich einmal gelebt hatten. Keine seiner Figuren kann mit einer Person aus dem alten Japan in Verbindung gebracht werden. Was beispielsweise Gilberts Porträt eines japanischen Herrschers betrifft, ist es nicht möglich, in der Geschichte Japans von seiner Gründung bis in die Gegenwart einen Mann zu finden, der als Prototyp des im Werk dargestellten „Mikado“ gedient haben könnte.

Teil 2: Die Vorbereitung

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